Heute war wieder einer dieser Tage. Lauter komische Leute unterwegs, mich selbst eingeschlossen. Auf dem Weg zum Sprachplenum, an der viel befahrenen Universitätsstraße entlang, da kommt von hinten ein Koloss von einer Frau an mir vorbeigeradelt. Auf dem Gepäckträger ein kleines Mädchen, dem Kindergarten noch lange nicht entwachsen. Krampfhaft klammerte es sich fest, was gar nicht so einfach war da erstens Mamas Hintern dermaßen breit war dass kleine Kinderärmchen diesen nicht annähernd umfassen konnten und zweitens weil derselbe Hintern auch so weit über den Sattel rausragte dass die Kleine quasi halb in Rückenlage mitfahren musste. Selbstverständlich ohne Schutzhelm und sonstige Schutzkleidung. Das manche Menschen aber auch einfach nicht mal eine verdammte Sekunde nachdenken.
Kaum habe ich aufgehört leise vor mich hinzuschimpfen, kommt die nächste Irre vorbei. Minirock, bauchfrei, aufgetakelt bis zum geht-nicht-mehr, an der Hand einen kleinen heulenden Jungen hinter sich herschleifend. Ich kriegte nur einen kleinen Fetzen des Gekeifes mit das sie von sich gab, aber das klang ungefähr so: “...unn watt schtellste do disch överhaubt so ahn, de Mattes is doch sowie ne Aasch, der sollt ma so rischtig ein in die Fresse kriege. Hättst dem ma bessa ordentlisch eine gescheppert ahnschtatt hier so rumzuheule!” [1]
Ahja, da werden die kommenden Stützen dieser Gesellschaft schonmal vorab ausgehöhlt.
Nur ein paar Schritte weiter zerrt eine weitere Rabenmutter ihr Kleines mitten über die Straße. Alle fünfzig Meter gibt es Ampeln, aber naja, das Kind soll ja was für’s Leben lernen. Wollen wir nur hoffen dass es auf dem Nachhauseweg die Abstände zwischen den Wagen, deren ungefähre Geschwindigkeit sowie das eigene Tempo halbwegs richtig einschätzt und nicht vergisst dass bei einer vierspurigen Straße die Autos auch mal von der anderen Seite kommen. Den Rest macht dann ja, mangels Erfahrung, das mathematische Grundwissen und das beherrschen unsere Schüler ja besonders gut (wie die Pisa-Studie eindrucksvoll belegt hat).
Während meiner ganzen Flucherei über die Dummheit der Welt habe ich dann die Zeit ein wenig aus dem Auge verloren und musste mich plötzlich sputen. An der letzten Ampel vor’m Ziel angekommen macht diese genau das was Ampeln bei mir immer tun: Sie springt für Fussgänger auf rot. Die Zeit ist knapp und ich husche meiner Phobie zum Trotz noch schnell rüber. Auf der anderen Seite angekommen wird prompt ein zwar kurzer, aber deshalb nicht weniger anklagender Zeigefinger auf mich gerichtet und die dazu gehörige blondbezopfte Vierjährige sagt mit tadelndem Unterton zu ihrer Mama: “Der Junge da ist bei rot über die Straße gelaufen. Das ist gefährlich! Und verboten.”
Raben-Mitch!
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[1] Jaja, kölschen Dialekt schreiben muss ich noch üben.