Erstellt am 12. Dezember 2004
Abgelegt in der Kategorie Weltkritik von Mitch

Ich weiss nicht warum, aber es gibt da ein kleines, eigentlich belangloses, Erlebnis das ich Ende 2003, ich glaub’ so im November, hatte. Normalerweise vergisst man sowas schnell, aber irgendwie komme ich da nicht so ganz drüber weg. Scheint zumindest so. Vielleicht sollte ich einfach mal ‘was dazu texten.

Ich will eben die Situation mal umreissen: Also, ich sitz’ in der Bahn, ich glaub’ auf dem Rückweg von der Uni, zumindest auf dem Rückweg von Köln. Vierer-Sitz, ist klar, andere gibt’s ja gar nicht mehr. Alleine, ist auch klar, war ja genug Platz, da muss sich ja kein Kauz neben mich setzen. Eine Gruppe Halbstarker kommt in den Wagon, genauer gesagt es waren drei. Ich schätz mal so um die zwanzig Jahre rum, nicht viel jünger als ich, aber eben halbstark, das heisst dumm, großmäulig und vor allem laut.

Damit meine ich jetzt nicht proletenhaft oder so, auch nicht aggressiv oder sonstwas in der Richtung. Nur eben laut. Vermutlich auch das einfach bloss aus Doofheit, es waren halt so Typen die immer ins Handy brüllen – weil der andere ja ganz schön weit weg ist. Wenn man solchen Leuten dann erzählt man wär grad in Holland oder so – oje, dann kann man den Hörer knapp ‘nen halben Meter neben’s Ohr halten und es tut trotzdem noch weh. Aber das ist eine andere Geschichte.

Was ich mit “laut” eigentlich andeuten wollte ist, dass ich jedes Wort ihrer Unterhaltung mithören konnte oder besser gesagt musste. In der Regel hab’ ich ja immer einen MP3-Player für solche Notfälle in der Tasche, aber an diesem Tag war natürlich die Batterie leer. Also habe ich halt denen zugehört.

Nach einigen Belanglosigkeiten über Alkohol, sturmfreie Buden, Arbeitsämter und dicke Tüten schwankte das Gespräch der drei Jungs in den sprachwissenschaftlichen Bereich ab. Ich war leicht überrascht und kann leider bis heute noch nicht rekonstruieren wie das eigentlich passiert ist, aber es war eben so.

Naja, ist ja eigentlich auch Schnuppe denn was mich so mitgerissen hat war das Thema. Es war ein Thema von extenzieller Bedeutung und gleichzeitig umwerfender Schlichtheit: Wie schreibt man “Schamhaar”?

kurz wirken lassen

Also ich dachte immer das wär relativ einfach zu klären. Ich meine ich bin nun wirklich kein Sprachwissenschaftler und bei der Pisa-Studie hätte ich den deutschen Durchschnitt vermutlich noch ein paar Punkte nach unten gezogen, aber ich dachte immer das Zeug heisst Schamhaar weil es an meiner “Scham” wächst. Und Scham ist, so dachte ich, eine, ich sag mal “diskrete”, Beschreibung des Bereichs um das primäre Geschlechtsorgan. Und weiterhin mutmaßte ich eine Verbindung zwischen “Scham” und “schämen”, vielleicht sogar biblischen Ursprungs, schließlich entdeckten die beiden Nackten im Paradies nach dem Genuss des Apfels vom Baum der Erkenntnis dass sie eben genau das sind: Nackt. Und da schämten sie sich und bedecken den Grund ihres Schams (eben ihre Scham) mit Blättern.

Ich würde dafür jetzt nicht meine Hand ins Feuer legen, aber es hört sich doch zumindest ein wenig plausibel an und wenn es falsch wäre, so hätte ich doch zumindest einen “guten Grund” für meinen Fehler. Wie früher in Mathe, Lösung falsch: 0 Punkte, aber 2 Punkte für einen interressanten Ansatz.

Aber ob ich nun richtig oder falsch liege ist ja auch gar nicht Thema dieses Textes und ausserdem völlig egal, denn was ich mit ziemlich großer Sicherheit sagen kann, ist dass es zumindest nicht “Charme-Haar” geschrieben wird. Diese Version wurde nämlich von besagter Horde für richtig befunden. Charme wie der Charme, genau das meinten sie.

Ich war verblüfft, ich fragte mich wie konsequent diese Vögel denn eine Begriffsverschiebung dieser Art wohl durchziehen würden. Ich meine wenn sie nun jemanden als “charmant” bezeichnen – meinen sie dann dass diese Person mit extremen Haarwuchs in der Intimzone zu kämpfen hat? Und wenn ihnen ihre Mutter rät charmant zu ihren Freundinnen zu sein, puh, was passiert dann wohl? Holen sie King Dingeling direkt im Restaurant beim ersten Date raus? Oder lenken das Tischgespräch ganz locker zum Thema Haar-Hygiene und -Mode im Bereich der Fortpflanzungswerkzeuge? Nicht auszudenken.

So, nun ist es raus, ich hoffe ich kann jetzt wieder ruhig schlafen.

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Erstellt am 01. Juni 2004
Abgelegt in der Kategorie Mal so... von Mitch

Es war an einem Donnerstag, kurz vor den Sommerferien. Die letzten Tage in der Schule sind bekanntlich etwas lockerer, das gilt natürlich auch für uns Berufsschüler. In Religion guckten wir – wie sich das für angehende Fachinformatiker gehört – den Film “Matrix”!

Selbstverständlich nicht ohne gelegentliche, religionsbedingte Unterbrechungen. Und das war er dann auch – der Auslöser! Wie oft hatten wir diesen Film schon gesehen? Wie oft war er schon spurlos an uns vorrüber gegangen? Sehr oft! Aber diesmal war alles anders.

Vielleicht lag es auch bloss an der prallen Sonne, vielleicht an irgendwelchen mysteriösen Zutaten im morgendlichen Kaffee – aber was macht das schon für einen Unterschied?!

Auf dem Weg nach Hause beschäftigten uns schwerwiegende Fragen, was an diesem Film ist wahr, was ist erfunden? Ist echt auch wirlich echt? Können wir unseren Augen trauen? Oder will uns wer die Augen öffnen? Schließlich ist es sicher kein Zufall, dass der Hauptcharakter “Neo” genannt wird, Neo – der Neue, der Neuanfang. Und dass Neo auch noch ein Anagramm von “One” ist, der Eine – ist da vielleicht doch etwas wahres dran? Und sein “Erwecker”, der Charakter “Morpheus” – sein Name kommt von morphen, d.h. etwas verändern – und so nebenbei ist es auch noch der Gott der Träume und des Schlafes! Dann wäre da noch “Trinity” – die Dreifaltigkeit (Vater, Sohn und heiliger Geist) die ihm zur Seite steht und zuletzt noch die letzte Stadt der Menschen: “Zion”, benannt wie der Tempelberg von Jerusalem. Die einzige Stadt in der die Menschen von der Realität wissen.

Für unsere kleinen Gemüter war das einfach zuviel der Information, diese Verstrickung von Religion, Religionskritik und moderner Technologie! Wir wussten nicht mehr ob nun Wahrheit oder Lüge Inhalt des Filmes war. Was wäre wenn wir wirklich in der Matrix leben würden? Wären diese kleinen, nervigen Kinder im Bus, welche sich gegenseitig an den Haaren zogen und herumschubsten, dann Bugs? Fehler in der Matrix? Und der Mann neben uns der so fleißig telefonierte – verlangte er nach einem Ausgang?

Wie sollten wir das nun herausfinden? Renè schlug vor bei Verona anzurufen, wenn die tolle 11880 nichts wissen würde – wer dann? Also flugs das Handy geschnappt und die schlaue Nummer gewählt.
“Tschuldigung, können Sie uns bitte mit dem Operator verbinden?”
“Mit wem? Können Sie den Namen nochmal wiederholen??”
“Mit dem zuständigen Operator, wir brauchen einen Ausgang!”
“...”
“Hallo? Sind Sie noch da? Wir bräuchten schnell einen Ausgang nach Köln Kalk, zum Kalker Bad!”
“[klick]”
Plötzlich wurde die Verbindung unterbrochen. Was war passiert? War die Leitung nicht sauber gewesen? Hatte uns ein Agent entdeckt? Wir begannen zu schwitzen – sollte das jetzt unser Ende sein? Wir wußten doch noch gar nichts! Oder wußten wir bereits zuviel? Und dieser Mann mit der komischen Sonnenbrille schaute uns schon länger so komisch an – würde er gleich wohl eine Knarre ziehen und uns aus der Matrix löschen? Jetzt hatten wir die Hosen voll! Wir saßen in einem Bus voller Bugs – jeden Moment konnte dieser, offensichtlich fehlerhafte, Programmteil aus der Matrix gelöscht werden – und wir mit ihm. Oder der Mann mit der Brille, vielleicht sogar die alte Dame mit ihrem Pudel, würde zur Waffe greifen und alles wäre vorbei.

Wir machten dass wir aus diesem Bus rauskamen, raus an die frische Luft, erstmal tief durchatmen! “Glaubt ihr es ist Luft was ihr da atmet?” fragte uns ein Passant bevor er um die nächste Ecke bog. Uns standen die Haare zu Berge! Hatten wir das wirklich gehört? Kannten wir diesen Satz nicht schon? War das etwa…

Wir stürzten um die Ecke und – nichts! Gar nichts! Niemand zu sehen, als ob der Mann vom Anlitz der Erde verschwunden wäre. “Gelöscht!” blitzte es in unseren Köpfen auf! Der Gute wurde einfach gelöscht! Oder er hatte einen Ausgang genommen, wer konnte das schon wissen.

Fraglos blickten wir uns an. Und dann, fast synchron, drehten sich unsere Köpfe zum größten Gebäude dieser Straße: Eine Kirche!

Christoph war derjenige der den Gedanken zuerst aussprach: “Dort müssten wir Trinity finden!”. Was ein Wort! Sofort trabten wir hinüber und stießen die großen Flügeltüren auf. Kühle. Stille. Heiligkeit. Ein Ansturm von Ergriffenheit nahm uns den Atem. Wenn wir Trinity irgendwo finden sollten, das hier! Hier in dieser Kirche, mitten in Kalk. Soviel war sicher. Doch wen fragen? Ruhe, Wissen und vertrauliche Gespräche! “Der Beichtstuhl” entfuhr es mir! Dort würden wir Antworten auf unsere Fragen finden.

“Pater, wir suchen Trinity!” fragte Christoph mit einem verschwörerischen Zwinkern.
“Wen sucht ihr? Trinity?” wiederholte der Geistliche.
“Trinity, diese junge Dame mit den schwarzen, engen Lederklamotten.” anworteten wir.
“...” schwieg unser Priester.
“Die Freundin vom Einen, ihr wisst schon…” drängten wir weiter.
“Tut mir leid, ich habe keine Ahnung wovon ihr redet!” erwiderte er.
“Mensch Pater, eure KI war wohl auch eine der Ersten die entwickelt wurden, oder?”
“Bitte entschuldigt, aber wenn ihr nicht beichten wollt, müsst ihr den Beichtstuhl verlassen” sagte der Pater.
“Verdammt, stellen Sie sich nicht so an!” rastete Renè aus, “Sie wissen genau von wem wir sprechen! Trinity! Die Trinity die in der Luft schweben kann und zwei Polizeieinheiten alleine getötet hat! Die Trinity, der prophezeit wurde, dass sie den Auserwählten lieben würde. Die Trinity die dem Einen hilft Morpheus zu retten! Die Trinity deren Ziel es ist die Stadt ZION zu schützen! Verdammt! Wir wollen sie sprechen! Sofort! Oder wir veranlassen die Löschung dieser Kirche

Mit einem lauten [Klack] wurde das Beichtfenster geschlossen. Was hieß das nun wieder? Waren wir auf der richtigen Spur? War der Pater auf dem Weg, Trinity zu uns zu bringen? Oder verständigte er den nächsten Agenten? Waren wir zu weit gegangen? Verwandelte sich der Pater in diesem Augenblick bereits in einen Agenten? Wir wussten es nicht! Wie immer halt!

Nach ungefähr einer halben Stunde Wartezeit wurde das Kirchentor weit aufgestossen! Grelles Sonnenlicht blendete uns. Alles was wir erkennen konnten war dass Trinity nicht allein gekommen war – und dass sie ordentlich zugelegt hatte! Mit erstaunlich tiefer und lauter Stimme befahl sie uns: “Kommen Sie mit erhobenen Händen aus dem Beichtstuhl heraus!”. Wir taten wie uns befohlen wurde – welch fataler Fehler! Kaum waren wir herausgetreten erkannten wir, dass es sich nicht um Trinity handelte, sondern um einen besonders dicken Polizeibeamten! Seine fiesen Kumpanen stürzten sofort auf uns los! Renè und ich versuchten diesen “In-der-Luft-schweben”-Trick während Christoph den “Lauf-die-Wand-entlang”-Trick in Angriff nahm.

Erstaunlicherweise zeigten unsere Bemühungen keine Ergebnisse – wenn man von den blauen Flecken mal absieht die wir uns holten als wir ziemlich unelegant zu Boden stürzten. Kaum hatten wir unser Versagen realisiert, waren die Beamten auch schon über uns. Wir fühlten uns wie Morpheus sich gefühlt haben muss als er festgenommen wurde – nur dass wir nicht geknüppelt wurden. Während der Fahrt aufs Revier hüllten wir uns in tiefes Schweigen – niemals würden die von uns erfahren was wir wussten! So schworen wir es uns zumindest. Ich aber wusste, dass ich es niemals ertragen könnte wenn man mir so eine lebendige Abhörwanze durch den Bauchnabel einführen würde. Ich weiß, Neo hat es auch geschafft, aber ich bin nunmal nicht der Eine…

Deshalb erzählte ich dem Mann im weißen Kittel einfach alles! Vermutlich ist das auch der Grund warum ich hier in diesem Raum sitzen darf, viele lustige bunte Pillen bekomme und sogar mit weicher Kreide auf die Tafel malen kann. Ich vermute Christoph und Renè hat es viel schlimmer erwischt…

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