Ich bin einer der Menschen die nicht wegen öffentlichen Verkehrsmitteln rennen. Und schon gar nicht in der Stadt. Damit scheine ich zu einer Minderheit zu gehören. Immer wenn ich mit Freunden irgendwo hin fahren will, rennt plötzlich die ganze Truppe los und schreit dabei irgendwas von wegen “Schnell, die Bahn kriegen wir noch”. Um dann nach wenigen Metern festzustellen dass ich nicht mit laufe. Irritierte Blicke, dann der Versuch mich umzustimmen: “Hey, komm schon sonst verpassen wir die Bahn!”. Als ob mir das nicht klar wäre.
Warum sollte ich für ein Verkehrsmitteln rennen das im Zweifelsfall alle zehn Minuten fährt? Und das vermutlich sowieso in dem Moment Gas gibt in dem man gerade hechelnd ankommt. Straßenbahnfahrer sind nämlich genauso gehässig wie Ampeln! Das macht doch keinen Sinn. Aber die meisten Leute scheinen das anders zu sehen…
In München habe ich das ganz extrem erlebt: Die U-Bahn Stuntmen. Selbst an der zentralsten Station, wo alle Richtungen im 5-Minuten-Takt bedient werden, vollbringen die Leute unglaubliche Sprints um diese Minuten nicht warten zu müssen. Der beginnt meist schon oben an der Rolltreppe, da werden immer drei (Anfänger) bis sechs (Profis) Stufen auf einmal genommen! Unten auf dem Bahnsteig angekommen wird der Oberkörper so weit nach vorne gebeugt dass die Schwerkraft entsetzt wegschaut. Mit zum Handkantenschlag gestreckten Händen wird die Luft mit einem zischenden Geräusch geteilt und die Lackschühchen der Anzugträger klackern über den Beton dass die Riverdancer Tränen in die Augen bekommen. Und dann, mit einem letzten kleinen Hopser, landen sie in der Bahn. Kurz bevor die Türe schließt.
Den besten Stunt den ich dort sah hat ein junges Mädel gemacht. Ich saß bereits in der Bahn als ich sie mit wehendem Haar die Rolltreppe runterjagen sah. Sie schaffte vier Stufen auf einmal, hätte aber bei ausreichender Körpergröße locker die Profigrenze erreicht. Als sie nur noch wenige Meter von der Tür entfernt war begann diese sich zu schließen. Ich dachte mir schon das war’s dann wohl aber das Mädchen gab nicht auf. Das hübsche Gesicht vor Anstrengung zu einer Grimasse verzerrt schaffte sie es tatsächlich noch zu beschleunigen. Kurz vor der Tür – diese war bereits bis auf einen kaum mehr bierkastenbreiten Spalt geschlossen – sprang sie vor. In der Luft brachte sie ihren Körper in eine seitliche Lage, streckte die Arme vor, bog die Füße nach unten und hechtete elegant in den Wagen. Dann schloss sich die Tür. Ich musste mich zurückhalten um nicht aufzuspringen, zu jubeln und zu klatschen und spontan eine Siegeshymne zu komponieren. So toll sah das aus. Die Masse der Münchener nahm die Aktion ohne jegliche Regung zur Kenntnis, als wäre es etwas mehr oder weniger alltägliches. Nur ein älterer Herr gönnte ihr ein kurzes Nicken. Profis unter sich eben.
Naja, die Bayern. Andere Länder, andere Sitten… ![]()
... und zwar genau unter meinem Fenster! Ein penetrantes Quieken hat mich ans selbe gelockt und siehe da: Zwei konkurrierende Ratten-Clans kämpfen erbittert um die Vorherrschaft in der mittleren gelben Tonne. Leider ist es schon dunkel, sonst hätte ich ein Video gedreht…
Blut ist scheinbar noch nicht geflossen, aber gefiept wird wie doof. Und einige große Exemplare jagen einige kleinere durch die Gegend. Ich bin schon froh dass ich nicht im Erdgeschoss wohne, ein paar der Viecher könnten locker die Pfoten auf’s Fensterbrett legen und reingucken.
Ich hoffe mal dass eine der Familias bald die Oberhand gewinnt. Die Geräusche sind schon ein wenig nervig. Wenn auch noch lange nicht so nervig wie der Russe über mir, der wahlweise die VIVA Top Three (in Dauerschleife) oder aber russische Heimatmelodien in einer Lautstärke hört die die Gläser auf meinem Regal klirren lässt. Aber das ist wieder eine andere Geschichte…
Ampeln mögen mich nicht. Ich weiss nicht warum, habe noch nie einer etwas angetan. Aber es ist nunmal so.
Jedesmal wenn ich auf eins von diesen Teufelsdingern zu laufe springt es auf grün. Und zwar genau dann wenn ich exakt so weit davon entfernt bin dass es gerade wieder rot wird wenn ich ankomme. So ziemlich genau zwei Schritte vorm Ziel.
Dann überlege ich jedesmal ob ich nicht einfach noch schnell rüberlaufen soll, wage es aber nie. Als Neu-Kölner und Ex-Dorfkind hab ich einfach eine Phobie vor Straßen auf denen echt auch Autos fahren. Ganz besonders vor mehr als zweispurigen. Diese stellen für mich ein nahezu unüberwindbares Hinderniss dar. Hinzu kommen auch noch einige Fast-überfahren-worden-Erlebnisse aus meiner Zeit in London, wo die Leute auf Teufel-komm-raus darauf bestehen auf der falschen Seite zu fahren.
Ich stehe dann also immer recht hilflos an dieser blöden Ampel, die Autos stehen auch noch alle da und die Fahrer gucken mich blöde an. Deren Ampel springt nämlich immer erst nach genau der Zeitspanne auf grün die ich benötigt hätte um bequem über die Straße zu schlendern. Aber ich tu’s nicht. Ich weiss genau, sollte ich das einmal machen, nur ein einziges Mal, dann schaltet die Ampel des Bösen mit Sicherheit augenblicklich den Kraftfahrzeugverkehr von allen Seiten wieder zu.
Aber ihr kriegt mich nicht. Niemals!
Ich würde mir ja fast Zebrastreifen wünschen, wenn ich nicht schon herausgefunden hätte dass auf den Dingern in Köln immer die Autos Vorfahrt haben. Die hupen schon sobald sie nur sehen dass sich jemand auch nur in der Nähe eines solchen herumtreibt. Aber das ist eine andere Geschichte…
Oh man! Immernoch kein Fahrrad für mich. Ich hatte große Hoffnung auf die Wohnhausverwaltung gelegt, denn die schnippt in regelmäßigen Abständen offensichtlich nicht genutzt Fahrräder von diversen Zäunen der Umgebung ab und entsorgt sie. Halbwegs erhaltene Fahrräder werden behalten und arme Studenten können, sofern sie denn zufällig davon erfahren, diese abstauben. Tja, aber wer glaubt dass in einem Studentenwohnheim halbwegs akzeptale Räder stehenbleiben würden wird früher oder später brutal auf den Boden der Realität zurückgeholt. ![]()
Also weitersuchen und auf einen Fahrradflohmarkt hoffen. Jeder war schonmal da oder hat einen Aushang gesehen, aber keiner kann einem erzählen wo das verdammte Ding denn stattfindet. Ach wie doof…
Am Ende des Geprächs sagte das Mädchen zu dem Jungen: “Leute die mit zwanzig Jahren nicht in die Disko gehen sondern lieber zu Hause Videos gucken oder so kann ich einfach nicht verstehen. Wie kann man nur so langweilig sein. Wenn man alt ist wird man doch noch genug Zeit zu Hause verbringen! Und wenn solche Leute dann mal in die Disko gehen, hauen sie um Mitternacht schon wieder ab weil sie müde sind. Wie kann man in dem Alter denn so träge sein?”.
Der Junge lachte und stimmte ihr zu. Ich fühlte mich beleidigt. Habe aber aus bestimmten Gründen nichts dazu gesagt. Die Möglichkeit wäre da gewesen. Aber das hier ist ja auch eine Möglichkeit.
Wie arrogant kann man denn sein? Wie egoistisch? Wie kann man glauben die Welt drehe sich nur um einen selbst? Dass nur das richtig wäre was man selbst für richtig hält? Wie respektlos anderen und andersdenkenden gegenüber? Wie einseitig in der Weltanschauung?
Nagut, das sind alles rhetorische Fragen. Selbstverständlich. Ich bin keinen Deut besser. Ich trag solche Sachen auch keinem nach. Und hoffe das man mir sowas auch nicht nachträgt. Zumindest nicht allzulange.
Jetzt möchte ich mal meine Sicht auf das Thema “Disko” klarstellen. Natürlich ebenso einseitig, arrogant und intolerant. Wie gesagt: Ich bin nicht ein Quentchen besser…
Diskogänger sind einfach lächerlich. Warum zur Hölle will irgendjemand an einem wunderschönen Samstagabend mit einem Haufen wild zusammengewürfelter Leute in einen mehr oder weniger kleinen Raum gehen um sich dort von ohrenbetäubend lauter Musik bei 35 Grad und 100%iger Luftfeuchtigkeit beschallen lassen? Zum Tanzen? Das ist nicht euer Ernst, Leute! In einer Disko habe ich noch nie jemanden tanzen gesehen. Die gesamte Horde zappelt mehr oder weniger synchron zu den aktuellen Moves (allein das Wort hasse ich schon) des entsprechenden Musikvideos. Zum Leute kennenlernen? Nicht wirklich. Bei dem Lärm brüllt man sich gegenseitig geifernd Spuckefetzen in die Ohren. Verstehen tut man eh nichts. Um zu saufen? Alles klar, Bonzenkinder. In jeder netten Bar gibts das gleiche Zeug zum halben Preis. Also was dann? Sehen und gesehen werden? Im Halbdunklen, die Augen vom Strobo gerötet, die Lider schwer vom Alkohol, die Pupillen riesig von den Drogen. Und die Klamotten verschwitzt vom “Tanzen”. Wirklich? Ich meine: Habt ihr euch mal die Bilder von diesen Foto-Fuzzis angeschaut? Diesen Typen die man in jedem dieser Läden antrifft? Leute die so komische Partybilder-aus-XXX-Webseiten beliefern. Schrecklich. Diese Leute sehen aus!
Was es auch immer wieder schafft mich gleichzeitig zum Lachen und zum Ausflippen zu kriegen sind die Zeiten. Das ist ja wie damals mit 13. Wer früh nach Hause geht ist nicht cool, verflucht sei die Bravo! Hauptsache solange wachbleiben wie man durfte. Und jetzt: Wer vor 23 Uhr in eine Disko geht ist eh schon mal ein Loser. Und wer es wagt den Laden vor 02 Uhr wieder zu verlassen wird ausgelacht. Immer dieser Coolness-Faktor. Klar, bis ich so um die 16 Lenze zählte habe ich auch gedacht dass Markenklamotten cool machen. Überhaupt dass man cool sein muss. Und jetzt, nach jahrelangem Erfahrungsammeln in Sachen “Eigener Stil”, kommen mir die Leute wieder damit. Jetzt sinds die Uhrzeiten. Und die Art wie man das Wochenende verbringt. Gehts noch?
Eins sei mal klargestellt: Ich ziehe notfalls jeden Abend alleine zu Hause, ohne DVSs, ohne PC, ohne Bücher und ohne alles andere jederzeit einem Diskobesuch vor. Der einzige Grund warum ich hin und wieder in solchen Läden zu finden bin ist Kontaktpflege. Mit Leuten von denen ich hoffe dass sie eines Tag über diesen postpupertären Unsinn wegkommen und wieder vollzeit zu normalen Menschen werden, ohne diese Hirnausfälle am Wochenende.
Da fällt mir gerade ein: Letztens hat sich doch noch jemand über meine Hosen beschwert und gesagt die wären “out”. Wenn “out” ein Gegenstand wäre, dann hätte ich den genommen und der Person über den Schädel gezogen, soviel ist sicher! Aber das ist eine andere Geschichte.
So, und jetzt geh ich und schmolle bis ihr alle wieder vernünftig seid!