Harbin war der nördlichste Punkt auf unserer geplanten Reiseroute. Am Montag um 21:45 Uhr ging es los, per Nachtzug im Hardsleeper vom Dalianer Bahnhof aus. Das war auch meine erste Zugfahrt in China und somit selbst schon eine Art Erlebnis. Und glücklicherweise nicht annähernd so schlimm wie ich es erwartet hatte. ![]()
Wir haben uns für den Hardsleeper entschieden, im Zug zu schlafen ist so oder so nicht sonderlich erholsam, da kann man sich das Geld für den Softsleeper auch sparen. Außerdem waren wir ja zu fünft, was bei den Vierer-Abteilen des Softsleepers unpraktisch gewesen wäre. Ich habe sowohl auf dem Hinweg als auch auf dem Rückweg ganz oben geschlafen, das fand ich besser, denn man hat mehr Privatsphäre da einem niemand ins Bett gucken kann. Außerdem waren meine Wertsachen so ziemlich sicher aus der Reichweite von irgendwelchen Langfingern. Und die unteren Betten werden von der gesamten 6er-Nische als Sitzgelegenheiten missbraucht, das macht man hier einfach so, auch wenn man die Leute nicht kennt. Und ich muss nicht unbedingt jemanden in meinem Bett sitzen haben. ![]()
Das Bett war, wenn auch ein wenig kurz (aber noch nicht wirklich zu kurz) ziemlich bequem, ein bisschen breiter wäre aber besser gewesen. Aber zum Schlafen vollkommen ausreichend. Auch fand ich es nicht sonderlich laut, man hört natürlich die Geräusche des Zuges und ein paar schnarchende Leute, aber wenn ich erst einmal eingepennt bin, dann weckt mich so etwas nicht auf. Was ein wenig (eigentlich sogar ziemlich) nervig war, war dass Chinesen scheinbar der Ansicht sind, 28 Grad wären eine angenehme Temperatur zum Schlafen. Die Ansicht kann ich definitiv nicht teilen! Das war verdammt heiß da drin! Hinzu kam, dass die Decke, die ich nicht brauchte, aber für die auch kein Platz zum an die Seite legen war, ungefähr doppelt so lang war wie das Bett (ok, ein wenig übertrieben, aber auf jeden Fall zu lang), was dazu geführt hat, dass die bei mir immer hinten raus in den Gang hing. Was den Bahn-Bediensteten (der alle paar Minuten durch das Abteil gestiefelt ist und immer bei uns stehen geblieben ist um schlafende Ausländer anzustarren) ziemlich gestört hat. Warum auch immer. Jedenfalls hat er mir andauernd in den Fuß gekniffen damit ich die verdammte Decke wieder ins Bett ziehe. Sehr nervig. Zum Glück verstand der Typ kein Deutsch, denn zu Leuten die mich im Schlaf nerven, sage ich schon mal Dinge die eventuell gegen geltende Gesetze verstoßen.
Vielleicht brauchte er aber auch bloß einen Vorwand um lange genug dort stehen zu bleiben um Kathrin ein Plastik-Herzchen mit dem Wort “Love” ans Bett zu hängen.
Hehe. Das hat er am nächsten Morgen aber wieder abgeholt, er ist nämlich in genau dem Augenblick vorbei gekommen, als wir fröhlich kichernd darauf gezeigt haben. Das war ihm wohl ein wenig unangenehm. Selbst schuld. Blödmann. ![]()
Nachdem wir eingecheckt hatten und uns ein wenig frisch gemacht hatten, sind wir los gezogen um in einem russischen Cafe zu frühstücken. Frühstücken. Das ist so eine Sache hier in China. In Dalian habe ich meinen Fertigkaffee und Joghurt und Teilchen vom Supermarkt, aber da so etwas auf Reisen fehlt, ist man ein wenig aufgeschmissen. Ich hatte letztendlich eine Tasse Kaffee und eine Portion Curry-Schweinefleisch mit Reis. Was will man machen… ![]()
Dann ging es nochmal kurz zum Bahnhof um unsere Rückfahrkarten zu kaufen, zwei Tage reichen vollkommen aus um Harbin anzugucken. So kommen wir schließlich auch schneller in den Süden. ![]()
Danach sind wir ein wenig durch die Einkaufsstraße getigert, die direkt vor unserem Hotel begann. Optisch sehr hübsch, nur ein wenig langweilig – es fehlten einfach die tausenden von kleinen Supermärkte, die Garküchen und Schuheinlegesohlen-Verkäufer von denen es in Dalian nur so wimmelt. Es wirkte alles so spießig ordentlich, man könnte fast meinen, man wäre in einer deutschen Großstadt. Wenn man über die paar tausend Chinesen hinweg sieht die sich dort tummeln. ![]()
Es ist wirklich erstaunlich was man so mit Eis alles machen kann. Da haben sich die Leute richtig Mühe gegeben. Und ob man die bunten Lichter nun mag oder nicht (ich mag sie), die Macher haben Liebe zum Detail gezeigt, eine Eigenschaft die ich in China bisher leider sehr vermisst habe. Ich habe mir schon einiges angeguckt was wohl mit einer guten Idee begonnen hatte, aber dann leider aufgrund grottenschlechter Umsetzung in meinen Augen zur Lächerlichkeit verkommen ist. Das Naturkunde-Museum in Dalian um mal ein Beispiel zu nennen.
Aber hier auf dem Eisfest hat man sich wirklich Mühe gegeben und alles ordentlich bis zum Ende durchgezogen. Sehr schön. Man kann das nur schwer beschreiben, das muss man sich einfach mal anschauen. Am Besten direkt vor Ort. Und notfalls eben über die Bilder die ich gemacht habe.Nach guten zweieinhalb Stunden hatten wir dann alles gesehen, außerdem wurde es dann langsam aber sicher doch ein wenig kalt und wir sind wieder heim gefahren. Und wurden vom Taxifahrer abgezockt. Zum ersten Mal in China, bisher hatte das noch keiner versucht. Allerdings haben wir nun im Nachhinein von verschiedenen anderen Kommilitonen gehört, dass sie auch alle in Harbin von Fahrern übers Ohr gehauen wurden. Die Harbiner Taxifahrer scheinen zu den schlimmsten in China zu gehören. Und das ging so: Da wir zu fünft nicht in ein Taxi gepasst haben, mussten wir zwei nehmen. Die Mädels sind ins erste gestiegen, wir in das dahinter. Unser Taxifahrer hatte gesehen, dass wir zusammen gehören und direkt gefragt ob er dem anderen Taxi folgen soll. Das machen wir in Dalian auch oft so und daher haben wir uns nichts dabei gedacht und zugestimmt. Blöde Idee. Denn unser Fahrer hat sein Taxameter nicht eingeschaltet. Davor wird man hier immer gewarnt, und obwohl es bisher noch nie jemand bei mir auf diese Tour versucht hat, achte ich immer noch da drauf. Und habe dem Fahrer auch sofort gesagt dass er es einschalten soll. Er wollte aber nicht, und meinte der Wagen vor uns hätte seins ja an und wir würden einfach den gleichen Preis zahlen.
Prinzipiell ja immer noch nicht ganz kritisch, denn so kann der Fahrer das Geld selbst einstecken und muss es nicht der Gesellschaft abgeben. Aber da auf genau diese Art ein Freundin von uns in Shanghai auf die Schnauze geflogen ist, wollten wir das nicht riskieren und haben darauf bestanden, dass er das verdammte Ding einschaltet. Nach ewigem hin und her hat er das dann auch endlich gemacht. Aber auch sofort, in einem Chinesisch das ich nicht verstehen konnte, angefangen ins Funkgerät zu sprechen. Dann sind zwei Dinge passiert: Die Mädels aus dem Taxi vor uns riefen an und teilten uns mit, sie wären jetzt hinter uns und ihr Fahrer hätte sein Taxameter ausgeschaltet und sie sollten einfach den Preis zahlen, der bei uns draufstehen würde. Und ob unser Fahrer seins denn an hätte. Hatte er ja mittlerweile, aber beim Blick auf die Anzeige haben wir festgestellt, dass der Preis schon weit höher war, als er für diese Strecke eigentlich sein sollte. Selbst der teurere Nachttarif (der um diese Uhrzeit eigentlich noch nicht hätte gelten sollen) wäre nicht so teuer gewesen. Als wir den Fahrer darauf angesprochen haben, hat er wild auf uns eingeredet und wir haben leider kein Wort verstanden. Keine Ahnung wie er das macht, aber scheinbar können die selbstständig verschiedene Tarife einstellen. Der eine Fahrer muss den Betrag zwar der Firma abliefern, der andere Fahrer, der mit ausgeschaltetem Taxameter fährt, macht allerdings eine nette Summe Schwarzgeld.
Wie auch immer, während der Diskussion stieg der Preis alle paar Sekunden weiter an und leider waren wir mittlerweile auch schon fast am Hotel angekommen. Aussteigen und ein anderes Taxi nehmen hätte sich auch nicht mehr gelohnt. Also haben wir zähneknirschend den doppelten Fahrpreis bezahlt. Die Mädels haben es wenigstens noch geschafft, ihren Fahrer ein wenig runter zu handeln. Dumm gelaufen, aber naja, solche Fehler sind in China ja noch verkraftbar, so haben wir ja “nur” 1,50 Euro verloren. Aber es geht ja ums Prinzip. Und wir wissen jetzt: Beim nächsten Fahrer der sein Taxameter nicht sofort freiwillig und von sich selbst aus einschaltet wird direkt, notfalls mitten auf der Straße, ausgestiegen. Und wenn wiedermal der Preis unnatürlich schnell steigt, dann wird erstmal nicht gezahlt, sondern noch im Taxi die Gesellschaft angerufen. Denn Telefonnummer der Firma und Fahrer-ID stehen in jedem Taxi. Und der Fahrer der Mädels war vielleicht auch ein wenig einsichtiger nachdem wir seine Fahrer-ID notiert hatten. Bei unserem Fahrer haben wir das vor lauter Ärger vergessen. ![]()
Abends sind wir dann noch in eine kleine Bar gegangen die den dämlichen Namen “USABucks” trug. Scheinbar hieß sie früher “Starbucks” und musste sich dann wohl umbenennen.
Aber da wir alle im Zug kaum geschlafen hatten und den ganzen Tag auf den Beinen waren, sind wir bald schlafen gegangen.
Am nächsten Morgen gab es erst mal – aufgrund akutem Mangel an Alternativen – Burger-Frühstück bei McDonalds. Da ist mir nochmal der große Unterschied zwischen westlichem und chinesischem Gehör aufgefallen: Der Eingang zum McD hat eine kleine Wärmeschleuse, sprich man muss durch zwei Türen gehen um rein zu kommen. Zwischen diesen beiden Türen läuft unglaublich laute Techno-Musik. Selbstverständlich aus Boxen, die nicht annähernd auf diese Lautstärke ausgelegt sind. Wäre Paul nicht schon am Vortag dort gewesen und hätte gewusst, dass diese Musik nur in der Schleuse läuft, ich wäre auf der Stelle umgedreht und woanders hin gegangen. Das ist ja sowas von abschreckend. Aber da das hier überall so ist (jeder Friseur veranstaltet eine kleine Disko vor seinem Laden), scheinen Chinesen das ja ganz toll zu finden. Komisches Völkchen… ![]()
Gegen Mittag sind wir dann nochmal zum Bahnhof um ein Ticket umzutauschen, was ein wenig länger gedauert hat, da wir uns erst in der normalen Schlange angestellt haben und als wir endlich dran waren, feststellen mussten, dass wir uns besser in die Ticket-Umtausch-Schlange angestellt hätten.
Nachdem wir dann dort angestanden hatten, stellten wir fest, dass es keinen Umtausch gibt, sondern nur Geld zurück. Woraufhin wir uns nochmal in die normale Schlange stellen mussten, um dann das neue Ticket zu kaufen. ![]()
Alles in allem hat sich der Ausflug gelohnt, ich bereue bloß, dass ich danach nicht noch ein 3 Euro Foto mit einem Tigerbaby gemacht habe, wobei ich nicht sicher bin, ob das Schild dafür überhaupt aktuell war. ![]()
Danach hieß es schon wieder Abfahrt und den 21 Uhr Zug zurück nach Dalian zu nehmen. Um betrügerischen Taxifahrern einen Angriffspunkt weniger zu geben, sind zwei Leute vorgefahren, während wir noch ein paar Minuten gewartet haben um dann nachzukommen. Während wir noch am Straßenrand standen, fingen die Taxis dort alle wie bekloppt an zu Hupen. Wir hatten keine Ahnung warum, aber es war ziemlich nervig, so dass wir in einen Wagen gestiegen sind um loszufahren. Mit unserem unglaublichen Gespür für blöde Situationen haben wir uns natürlich in genau das Fahrzeug gesetzt, wegen dem alle gehupt hatten. Kaum saßen wir drin, sammelten sich plötzlich viele Leute um das Taxi und fingen an, ziemlich aggressiv auf unseren Fahrer einzubrüllen. Ein blödes Gefühl.
Er versuchte dann loszufahren, wurde aber sofort von einem anderen Taxi blockiert, das sich vor ihn stellte und immer vor und zurück fuhr als er versuchte daran vorbei zu kommen. Als sich dann noch ein anderes Taxi neben uns gestellt hatte, war kein Entkommen mehr möglich. Da sich der Fahrer mit keinem Wort zu dem Chaos äußern wollte und es offensichtlich nicht weiter gehen würde, sind wir ausgestiegen. Da sich die anderen Fahrer, ob nun im Recht oder nicht, auch nicht gerade nett verhalten hatten, wollten wir auch keines von deren Fahrzeugen nehmen und sind erstmal ein Stückchen weiter gelaufen und haben uns dann da eins genommen.
Der neue Fahrer hat mir dann erklärt, dass bestimmte Straßenecken bestimmten Taxi-Firmen vorbehalten sind und unserer Taxi wohl nicht an diese Ecke gehörte. Naja, die anderen Fahrer hätten auch einfach an unsere Scheibe klopfen können und uns in freundlichem Ton die Situation erklären können anstatt sich aufzuführen wie ein Haufen Barbaren. Dann hätten sie mit uns sogar noch Geld verdient. Aber es ging ihnen wohl mehr ums Prinzip als ums Geld.
Unseren Zug haben wir aber trotzdem noch locker bekommen. Die Rückfahrt war noch unangenehmer als die Hinfahrt, was daran gelegen hat, das es noch wärmer war und wir, da wir ja bereits mittags aus dem Hotel ausgecheckt hatten, noch keine Gelegenheit hatten, uns von den dicken Winterklamotten zu befreien. Lange Unterhosen sind übrigens doof. ![]()
Jetzt geht es direkt weiter nach Shanghai, wir haben beschlossen, Qingdao zu überspringen. Viel spannendes gibt es dort eh nicht zu sehen, außerdem liegt das so nah an Dalian dran, dass man jeder Zeit mal einen Wochenendausflug dort hin machen kann. Da der Zug nach Shanghai 24 Stunden lang fährt und ein Flug nur 63 Euro gekostet hat (Zug-Tickets liegen bei zirka 45 Euro), haben wir uns Flugtickets gekauft. Da wir erst am Sonntag fliegen, habe ich nun doch noch einige Zeit hier in Dalian zu verbringen. Aber das ist nicht schlecht, so kann ich nochmal in Ruhe alle notwendigen Dinge waschen und so. ![]()
Die Fotos vom Ausflug kommen, wie gesagt, erst wenn das Netz hier wieder vernünftig läuft, was aber leider noch einen Monat dauern kann… Internet ist wieder fit und die Fotos sind alle ONLINE!
Na dann mal viel Spass auf der südlichen Reise mit mehr Komfort!Und kurzen Unterhosen
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Wir haben den Jahrhundertsturm gut überstanden!
Nur eine Std. ohne Strom!
war DAS ein langer beitrag….wow
hab alles gelesen und jetzt bin ich bestens informiert! WIE gern wäre ich doch auch im tigerpark gewesen…freue mich schon auf die fotos…
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Mitch, du hast wieder das Wort “Teilchen” verwendet. Toll.
In welchem Hotel habt ihr denn gewohnt? Ich fahre doch am Freitag hin…war dass das gleiche, in dem auch Bastian etc gewohnt haben? DAAAANKE (habe den Artikel noch nicht durch…muss jetzt essen gehen und wollte dich vorher halt noch fragen)
[...] haben wir (das Problem hatten wir in Harbin und Shanghai auch schon) erstmal eine gute Stunde nach einen ansprechenden Restaurant gesucht und [...]
Danke. Von eurem Sturm habe ich noch nicht viel mitbekommen. Nur eben, dass ein heftiger Sturm war und es wohl auch Tote gegeben hat. Nachrichtentechnisch bin ich hier nicht immer up to date…