Erstellt am 07. April 2005
Abgelegt in der Kategorie Mal so... von Mitch

“Es ist fünf Uhr und dreißig Minuten, ein wunderbarer Zeitpunkt an einem Montagmorgen um einen weiteren, interessanten Tag zu beginnen…” plärrte der Radiowecker. “...mit nur 37° ist es heute mal wieder so richtig frisch in unserer schönen Metropole.” Tamako’s Hand tastete über die Nachtkonsole. “Topinmo Industries wünscht den Bürgern aller Klassen einen Guten Morgen! Und jetzt aufgepasst: Aufgrund der gestrigen Anschläge auf den Sektor 51 werden die Sub-Tunnels der Parallelsektoren – “ Er schaltete das Gerät aus.

Es war schon hell. Eigentlich war es immer hell, die Leuchtreklamen der Straße blieben 24 Stunden lang in Betrieb. Langsam wuchtete Tamako seine Beine auf das Linoleum. Sein Kopf dröhnte – wie jeden Morgen. Fünf Minuten später stand er auf und ging ins Bad. Nach einer kurzen Dusche und der routinemäßigen Desinfektion begab er sich in die Küche. Sein FOS spuckte scheppernd die morgendliche Nahrungsration aus. Er öffnete die Aluminiumdose. Es schmeckte wie immer. Lebensmittel auf Sojabasis waren nie für ihren Reichtum an Abwechslung bekannt.

Tamako griff sich eine Standardmontur, Größe B.011, Stil JOB.057 aus dem öffentlichen Regal im Flur. Da er immer einer der Ersten war, konnte er sich die passende Größe aussuchen. Andere Bewohner seiner Etage mussten sich mit dem zufrieden geben was übrig blieb. Er checkte die Zeit. 05:56 Uhr. Mit einem Seufzer nahm er sich eine Atemmaske aus dem Spender. Er würde sich nie an die Dinger gewöhnen. Ausserdem fand er sie nutzlos. Wie sollte ein Stofflappen über Mund und Nase irgendwelche chemischen Stoffe abhalten können? Aber Vorschrift war nun mal Vorschrift. Tamako war schon froh dass er nicht in einem öffentlichen Bereich tätig war. Die Masken der dort beschäftigten Bürger waren mit “lustigen” Mustern verziert. Mit Vorliebe mit Kuss- oder Clowsmündern, Schnäbeln oder ähnlichem. Tamako’s Maske jedoch war aus einem schlichten, leicht gräulichen Material gefertigt, passend zu seiner vom Smog verfärbten Haut.

Er nahm den 7er zum Haupteingang, atmete ein letztes Mal die gereinigte Luft des Wohnkomplexes ein und trat ins Freie. Der feuchte Nebel aus Abgasen, narkotisierenden Stoffen und menschlichen Ausdünstungen umhüllte ihn augenblicklich. Wenige Sekunden später spürte er den warmen Dunst bereits unter seiner Kleidung. Immerhin schützte ihn der Smog vor den UV-Strahlen der Sonne. Tamako dachte oft an die schönen Zeiten in den ersten paar Jahren des 21. Jahrhunderts. Bis 2018 hatte sich niemand vorstellen können was wirklicher Smog ist. Das Ozonloch war damals noch wirklich ein Loch, heutzutage sprach man eher von den Ozonflecken, kleine Bereiche über den Ozeanen an denen die Ozonschicht noch stark genug war um den Menschen eine kurze Zeit ohne Schutzkleidung unter der Sonne zu ermöglichen. Bereiche die den Yachten der Regierung vorbehalten waren.

Kommentare deaktiviert       

Die Kommentare zur diesem Beitrag sind deaktiviert.